Antikörpervermittelte, zytotoxische Reaktion – Typ II Allergie – Biochemie – AMBOSS Video
14
October

By Adem Lewis / in , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , /


Antikörpervermittelte, zytotoxische Reaktion – Typ zwei Allergie Bei einer Überempfindlichkeitsreaktion kommt es zu einer überschießenden Immunantwort auf Stoffe, die für den Körper normalerweise harmlos sind. Das können zum einen körpereigene Stoffe sein, zum anderen aber auch körperfremde wie beispielsweise Medikamente. Bei der Typ zwei Allergie sind die Auslöser
der allergischen Reaktion spezifische Antikörper. Für gewöhnlich werden Antikörper im Rahmen einer adaptiven Immunreaktion produziert, um Pathogene abzuwehren. Bei einer allergischen Reaktion Typ II richten sich die Antikörper jedoch gegen Antigene, die auf Zelloberflächen sitzen oder Teil
des Bindegewebes sind. Dadurch wird die anitkörpervermittelte Immunreaktion gegen körpereigene Zellen gerichtet. Die Antikörper lösen eine Kaskade von Reaktionen aus, die letztlich zu Zelllyse, Phagozytose oder Apoptose führen. Daher spricht man bei einer Typ zwei Allergie auch von einer antikörpervermittelten, zytotoxischen Reaktion. Wir wollen uns die verschiedenen Abläufe
dieser allergischen Reaktion nun im Detail ansehen:
Durch die Bindung eines Antikörpers an ein Antigen wird vor allem das Komplementsystem
aktiviert. Mit Komplementsystem werden eine Gruppe spezifischer
Plasmaproteine bezeichnet, die in einer Kaskadenreaktion miteinander interagieren. Sie aktivieren so die Zellen des Immunsystems
und verstärken dabei gleichzeitig die Immunantwort. Ausgelöst wird die Komplementkaskade dadurch,
dass ein Komplementprotein an den Antigen-Antikörper-Komplex auf der Zelle bindet. Dadurch werden andere Komplementproteine aktiviert,
die dann in kleinere Fragmente aufgespaltet werden. Diese Fragmente haben chemotaktische Wirkung,
sie locken also Immunzellen wie beispielsweise neutrophile Granulozten, kurz Neutrophile,
an. Neutrophile können dann mit Hilfe ihres Fc-Rezeptors
an die Antikörper binden, die sich auf der Oberfläche der Körperzellen befinden. Durch diese Bindung setzen die Neutrophile
toxische Substanzen frei, wie die sogenannten freien Sauerstoffradikale, abgekürzt ROS. Die ROS schädigen alle Zellen in ihrer Umgebung,
lösen Entzündungen aus und führen so schließlich zum Zelltod. Darüber hinaus können einige Komplementproteine
auch an die Oberfläche einer Zielzelle binden und diese dadurch für einen Prozess markieren,
der Opsonierung genannt wird. Bei der Opsonierung werden die markierten
Zielzellen von Phagozyten – meistens von Makrophagen – erkannt. Makrophagen verfügen ebenfalls über Fc-Rezeptoren
auf ihrer Oberfläche. Mit diesen binden sie zunächst an die Antikörper
auf der Oberfläche der Zielzelle. Anschließend umschließen sie die Zelle und
bauen sie ab. Aktivierte Proteine des Komplementsystems
bilden außerdem einen sogenannten membrane attack complex, abgekürzt MAC. Dieser Komplex bildet eine Öffnung in der
Zellmembran, durch die extrazelluläre Flüssigkeit ins Zellinnere gelangt. Dadurch schwillt die Zelle an und es kann
zur Zelllyse kommen. Unabhängig vom Komplementsystem können IgG-Antikörper auch von den natürlichen Killerzellen, oder NK-Zellen, erkannt werden. Diese Lymphozyten besitzen ebenfalls Fc-Rezeptoren
auf der Zelloberfläche, mit denen sie an die Antikörper binden. Die Bindung aktiviert die NK-Zellen, die daraufhin
Perforin und Granzyme ausschütten: Perforin ist ein Protein, das eine ähnlich Funktion
hat wie der membrane attack complex, sich also in die Plasmamembran der Zielzelle einlagert
und so eine Zelllyse bewirkt. Die Granzyme sind hingegen eine Gruppe von
Proteinen, die letztlich die Apoptose der Zielzelle auslösen. Bei einigen Autoimmunerkrankungen, die durch
eine Typ II Reaktion hervorgerufen werden, richten sich die Antikörper gegen Rezeptoren
auf Zellmembranen. Dies führt zusätzlich zu einer Störung
der Zellkommunikation: Entweder, weil die Bindung eines Antikörpers an den Rezeptor
diesen so blockiert, dass Signalmoleküle nicht mehr binden können und eine Signalweitergabe
unmöglich ist; oder, weil die Bindung des Antikörpers den Rezeptor aktiviert wie ein
Signalmolekül. Beide Formen der Funktionsstörung können
ernste physiologische Konsequenzen zeigen. Wie wir gesehen haben, führt eine allergische
Reaktion des Typs zwei normalerweise zum Absterben von Zellen. Der Untergang der Zellen kann dabei entweder
durch das Komplementsystem vermittelt werden oder davon unabhängig sein. In der Regel tragen jedoch mehrere Mechanismen
zur allergischen Reaktion bei und führen je nachdem zu unterschiedlich stark ausgeprägten
Reaktionen. Die stärkste inflammatorische Reaktion wird
dabei durch Zelllyse hervorgerufen, beziehungsweise die damit verbundene Freisetzung von Zellbestandteilen.


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